Innerlich zerbrochen?

Wisst ihr, es ist jetzt über 3 Monate her, seitdem wir die Operation hinter uns haben, aber ich schreibe euch hier den Text und mir fließen einfach nur unaufhörlich die Tränen über das Gesicht! Tränen voller Dankbarkeit, aber auch, weil ich das selber jetzt im Nachhinein alles erneut vor Augen habe und erlebe. Ich möchte es mit euch teilen, weil es mir wichtig ist und ich weiß, dass es dem einen oder anderen helfen wird.

Eigentlich war geplant, dass wir die Operation hier in der Gegend machen, bzw. wir hatten ja keine Ahnung und taten einfach das, was uns gesagt wurde. Wir vertrauten den Ärzten. Levi war ungefähr 4 Monate, da schrieb mir eine Frau bei WhatsApp, dass ihre Tochter eine Lippen- Kiefer-Spalte hat und sie möchte mir unbedingt ans Herz legen, dass wir uns die Klinik in Siegen anschauen. Ihre Tochter wurde dort operiert und sie hatte es einfach auf dem Herzen, mir diese Klinik weiter zu empfehlen. Also machten wir dort einen Gesprächstermin aus. Die Klinik ist 3,5 Stunden entfernt und es wäre sehr kompliziert, die Mädels irgendwo zu lassen, da sie ja auch zur Schule und in die Kita mussten. Hin und her zu fahren wäre ja auch nicht einfach machbar gewesen bei so einer Strecke.

Aber wir fuhren trotzdem hin und schon während des Gespräches wussten wir sofort: “Wir werden uns hier in Behandlung begeben!” Es würde schrecklich kompliziert werden, aber der operierende Arzt war uns einfach so sympathisch. Ein Mensch, der seine Arbeit wirklich noch mit Herz und Seele ausübt!

Die Planung sah vor, dass Levi am 10. September operiert werden soll. Ein Tag vorher musste jedoch die Klink absagen, weil keine Kapazität auf der Intensivstation vorhanden war. Also wurde der Termin auf den 15. verschoben. Am 11. September bekam Levi dann einen heftigen Pseudokrupp- Hustenanfall. Wir mussten nachts den Krankenwagen rufen, weil es einfach so schlimm war. (Bei ihm ist alles immer etwas komplizierter gewesen!) Schließlich sahen wir uns gezwungen, die Operation abzusagen, weil es von der Atmung einfach viel zu gefährlich gewesen wäre. Ich war schon etwas fertig, weil der Termin perfekt gepasst hätte: Die Kids hätten noch Ferien und könnten einfach bei der Oma bleiben. Jetzt wurde alles über den Haufen geworfen. Ich fragte Gott nicht einmal, was das eigentlich alles soll, aber ich vertraute ihm.

Spontan wurde die Operation dann auf den 7. Oktober gelegt. Wir mussten natürlich mit PCR Test erscheinen, aber das war in Ordnung, weil wir dadurch beide, am Tag der Op, mit durften. Vorher war es Mose nur erlaubt, jeden 2 Tag zu kommen. Im Nachhinein bin ich unglaublich dankbar, weil nur einen Monat später eine neue Regel in Kraft trat, welche nur noch einem Elternteil erlaubte dabei zu sein.

Ich hatte so eine Angst! Wie sollte ich den Tag nur überleben. Joleen hatte mit 1,5 Jahren eine Augen OP, weil sie ein Verdacht auf einem Tumor im Auge hatte. In der Zeit konnte mich kein Mensch beruhigen. Ich war stundenlang nur am weinen und nichts und niemand schaffte es mich zu beruhigen. Deswegen hatte ich so Angst. Angst, wie ich das alles durchstehen sollte. Ich betete die ganze Zeit, dass Gott mir Ruhe geben soll. Ich werde ihm vertrauen! Und ihr glaubt es nicht! Als ich den Kleinen der Arzthelferin vor dem Operationsraum abgeben musste, erfüllte mich so ein vollkommener Frieden! Als ob ich mein Baby meinem Papa abgeben würde und wüsste, es wird alles gut… Papa passt auf ihn auf! Hört sich vielleicht blöd an, aber ich kann es euch einfach nicht in Worte fassen, welcher Friede mich umhüllte. Der Eingriff begannum 8 Uhr und sollte um 12 Uhr fertig sein. Aber um 14 Uhr hatten wir noch immer nichts gehört. Langsam wollten sich Sorgen einschleichen, doch ich redete mir immer und immer wieder gut zu und entschied: Gott, ich vertraue dir!

Endlich rief die Intensivstation an. Wir durften ca. um 16 Uhr zu ihm hoch. Als ich unser Baby so komplett verkabelt und angeschwollen erblickte, brach ich innerlich fast zusammen. Es war überall noch Blut auf dem Handtuch. Das eigene Baby so zu sehen, war einfach zu viel des Guten. Er hatte eine dickes Plastikrohr bis in den Hals, damit die angeschwollenen Atemwege nicht alles versperren und er atmen konnte. Seine Atmung hörte sich einfach so schrecklich an. Die Tränen ließen sich nicht mehr verdrängen und flossen wie ein Wasserfall…

Immer wieder spürte ich den tiefen Frieden in mir drin, aber der Anblick war einfach zu schlimm für mein hochsensibles Mutterherz. Ich durfte ihn auf den Arm nehmen und wir wechselten uns mit Mose die nächsten 24h ab. Wir hielten ihn einfach nur, halb sitzend, auf unserer Brust gelegt. Er sollte wissen, wir sind da. Papi und Mami sind da! Bei jeder Bewegung die Levi macht, zuckte ich zusammen und er wimmerte dann ganz schwach und mir zerriss es immer wieder das Herz. Einmal fing er an zu schreien und das war für ihn so anstrengend, dass ich betete, dass er so lange schlafen würde, bis der großte Teil abgeschwollen war und er normal atmen konnte. Tatsächlich schlief er dann bis zum nächsten Morgen. Er bekam alle 3h seine Milch über die Sonde, weil er dann anfing, unruhiger zu werden. Aber er schlief dann einfach weiter. Man gab ihm Cortison und starkes Schmerzmittel über die Venen und dadurch schlief er einfach.

Am nächsten Tag wurde dann der dicke Plastikschlauch aus dem Mund gezogen und er musste alleine atmen. Ich war ganz schön angespannt, weil ich Angst hatte, dass er nicht richtig Luft bekam. Es hörte sich auch schrecklich an, aber die Werte am Monitor waren okay.

Die nächsten 3 Tage, waren sehr sehr anstrengend. Mose musste zu den Mädels nach Hause fahren und durfte ja sowieso nicht ins Krankenhaus. Ich musste alles alleine stemmen. Ich hatte so gut wie gar keinen Schlaf. Vielleicht 10min, dann fing er wieder an zu weinen. Erst hatte ich ihn die ganze Zeit auf dem Arm und dann schaukelte ich ihn Tag und Nacht im Babysitz auf dem Wagen. Liegeposition ging gar nicht. Solange ich schaukelte, schlief er ein bisschen länger, doch kaum war ich eingenickt, war er auch schon wieder wach. Er nahm seine Flasche einfach nicht. Natürlich versuchte ich ihm ein paar Tropfen in den Mund zu spritzen, aber er schrie nur los. Brei wollte er auch keinen und 2 Tage aß und trank er einfach gar nichts. Wasser bekam er über die Venen und seine Milch fütterten wir dann über die Sonde nachts. Es war extremer psychischer und körperlicher Stress. Wenn man selber kaum schläft, das Baby 24h schaukeln muss und es dann auch noch nicht mal was essen mag… Aber wir wurden immerhin vorgewarnt, dass es bei vielen Kindern so ist. Schließlich fanden wir heraus, dass er Fruchtzwerge essen wollte. Waren zwar auch nur 3-4 Stück am Tag, aber wenigstens etwas. Ich muss ehrlich sagen, es war eine riesige Herausforderung in Coro… Zeiten, da so zu umsorgen. Ich dachte wirklich jede Minute, ich kippe gleich weg. Ich habe es auch so weitergegeben, dass das wirklich eine Zumutung ist, aber es hieß dann nur: ” Ja, aber wir haben C….”. Es ist was anderes, wenn man ein Kleinkind oder Kind zu versorgen hat, wo man vielleicht 30 min ein Video anmacht und sich selber kurz hinlegt oder ob man ein Baby versorgen muss! Einfach wirklich eine Zumutung!

Es ist wirklich faszinierend, wie schnell Levi wieder fit war. Wenn man ihn am dritten Tag nach der OP anschaute, würde man nicht erahnen, dass er so einen schweren Eingriff hinter sich hatte.

Einen Tag vor der Entlassung kam Mose dann wieder. Levi hatte ihn kaum unter der Maske erkannt, aber reagierte sofort auf seine Stimme. Es war einfach so goldig. Er hat Moses Gesicht in seine beiden Hände genommen und seinen Kopf an seine Stirn gelegt und sich so gefreut! Wie sehr die Kinder ihre Eltern brauchen ist unglaublich! Seitdem wurde Levi viel gelassener und ich auch! Ich konnte mich endlich ein paar Minuten hinlegen und ausruhen.

Am Tag von der Entlassung wurde in einer kurzen Operation die Schutzplatte, die über der Wunde angebracht wurde, noch rausgeholt. Endlich durften wir gehen. Es dauerte zwar noch, bis sich alles mit dem Essen usw. eingespielt hatte, aber wir hatten das Schlimmste hinter uns.

Levi wird in ein paar Tagen 1 Jahr alt. Er hat alles aufgeholt, was er all die Monate verloren hat! Er hat sich innerhalb der letzten zwei Monate so faszinierend entwickelt, dass es für mich einfach nur ein großes Wunder ist!

Ich kann euch nicht mit Worten beschreiben, wie dankbar ich für die ganzen Gebete von Familie und Freunden bin. Auch wenn es anstrengend war, aber Gott war in dieser dunklen Zeit so nah bei mir. Ich wusste, er trägt uns durch. Es wird alles gut!

By Published On: 15. Februar 2022Categories: Allgemein, Familie, Glaube0 Comments on Die Operation

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Ich bin Vanessa und Mama von drei wundervollen Kindern. Vor 6 Jahren hatte ich ein gravierendes Erlebnis mit meiner eigenen Gesundheit. Seit dem erzähle und berichte ich über meine Erfahrungen rund um das Thema Gesundheit.